Herzlich willkommen auf unserem Themenweg «Mit Goethe am Gotthard»! Die App leitet Sie mehrheitlich entlang der historischen Route von Andermatt über Hospental hinauf zum Gotthardpass. Unterwegs geben Ihnen Textauszüge und Audiodateien Einblicke, wie Goethe das Urserntal und den Gotthardpass bei seinen drei Reisen auf diesen zentralen Gebirgsübergang der Alpen wahrgenommen hat. Dadurch erleben Sie die Ferienregion Andermatt und den Gotthard auf eine ganz neue Weise. Am Ziel auf dem Gotthardpass angekommen, können Sie im Museum Sasso San Gottardo die landesweit erste Dauerausstellung über Goethe in der Schweiz besuchen. Sie befindet sich tief im Innern des Berges, in der legendären Gotthardfestung. Infos zum Museum und den Öffnungszeiten finden Sie hier: https://www.sasso-sangottardo.ch
Hier vor dem Tourismusbüro Andermatt, gleich beim Bahnhof, beginnt der Themenweg «Mit Goethe am Gotthard» seinen Weg bis zum Pass (für den Teil von Göschenen bis Andermatt, siehe den separaten Rundgang). Der digitale Guide leitet Sie hinauf bis zum Gotthardpass, mit einer Wanderzeit von zirka 4 Stunden. Bei einem Gang durch das Dorf folgen Sie bereits Goethes Spuren. Richtung Dorfzentrum werden Sie auf der linken Seite an einer Hausfassade bald ein grosses Zitat von ihm sehen. Folgen Sie hier der Gotthardstrasse in den alten Dorfteil.
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Andermatt ist der Hauptort des Urserntals. Dieser Name stammt aus dem Rätoromanischen und bedeutet Bärental. Goethes Lob auf das grüne Hochtal, das er 1775 erstmals durchwandert hat, ist bei der Abzweigung zum Oberalppass an einer Hausfassade an der Gotthardstrasse aufgemalt. Tatsächlich äusserte sich Goethe in den «Briefen aus der Schweiz» nach seiner zweiten Reise zum Gotthard im Jahr 1779 voller Begeisterung für diese Region. Das ganze Zitat lautet: «Mir ist‘s unter allen Gegenden, die ich kenne, die liebste und interessanteste; es sei nun, dass alte Erinnerungen sie wert machen, oder dass mir das Gefühl von so viel zusammengeketteten Wundern der Natur ein heimliches und unnennbares Vergnügen erregt.» Nur vier Jahre nach 1775 war Goethe also schon zum zweiten Mal im Urserntal, und er sollte Andermatt auch auf seiner dritten Schweizer Reise von 1797 besuchen. Er genoss nicht nur die Landschaft, sondern auch den hier produzierten Käse, und erfreute sich am Mineralienreichtum der Gegend.
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Bei der Brücke über die Unteralp-Reuss machte Goethe mehrmals im Gasthof «Drei Könige und Post» Station. Auf der ersten Reise 1775 hat er beim Abstieg vom Gotthard wahrscheinlich auch hier übernachtet. 1775 lobt Goethe bei der Mittagsrast nach dem anstrengenden Aufstieg durch die Schöllenenschlucht den «trefflichen Käs» von Andermatt. In sein Tagebuch notiert er hier: «Sauwohl und Projekte». Danach bricht Goethe mit seinem damaligen Wandergefährten Jakob Ludwig Passavant auf in Richtung Pass. Der Flöte spielende Faun auf dem Brückengeländer kann uns an den jungen, übermütigen Dichter erinnern, der 1774 gerade den «Werther» veröffentlicht hatte. Naturnähe und leidenschaftliche Gefühle – für beides steht die mythologische Figur des Fauns.
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Die Gotthardstrasse biegt hier nach rechts ab zum Dorfkern. Wir folgen ihr noch etwa 150 Meter, bis wir den kleinen Platz mit dem Dorfbrunnen von 1581 erreichen.
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Der historische Dorfbrunnen, an dem sich die Reisenden schon früher erfrischen konnten, besitzt ein Becken aus einheimischem Serpentinstein. Als Brunnenfigur dient ein Bär, das Wappentier von Andermatt. Gleich gegenüber steht das Rathaus. Die Talschaft Ursern hatte lange Zeit eine eigene Regierung, geleitet von einem Ammann. 1803 wurde sie in den Kanton Uri integriert. Weiter entlang der Strasse dient das übernächste Haus auf der linken Seite heute als Talmuseum. Im 18. Jahrhundert war dies das Wohnhaus von Ammann Frank Dominik Nager, bei dem Goethe 1797 zu Besuch war und seine Nagers Mineraliensammlung bewunderte. Das Talmuseum zeigt in seiner Dauerausstellung auch Objekte und Texte zur Geschichte des Reiseverkehrs und des Tourismus. Über die Schweizer Alpenpässe fahren im 18. Jahrhundert noch keine Kutschen. In den Bergen ist Goethe mit seinen Begleitern deshalb immer zu Fuss unterwegs. Für das Gepäck engagiert man einen Träger oder einen Maultiertreiber. Goethe übersteht alle seine Wanderungen in den Alpen ohne einen einzigen Unfall, obwohl er manchmal mehr als neun Stunden pro Tag unterwegs ist. 1779 marschiert er mit dem Weimarer Herzog Carl August in einem Tag vom Gotthardpass bis hinunter nach Amsteg.
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Als passionierter Sammler nahm Goethe viele Mineralien aus der Region mit nach Hause. Wenn Sie auf der Dorfstrasse nochmals ein paar Meter weiter gehen, kommen Sie zu einem Geschäft, wo heute Kristalle und Mineralien zu kaufen sind. Wir biegen jedoch gegenüber vom Talmuseum, vor dem Rathaus, in die Kirchgasse ein. Diese führt uns zur barocken Dorfkirche von Andermatt. Links an der Kirche vorbei finden wir beim Haus Sonnmatt ein kleines privates Käse-Depot mit Selbstbedienung. Nun folgen wir dem nach links führenden Bäzweg, unterqueren Umfahrungsstrasse und Bahnlinie und gelangen so bald aus dem Dorf hinaus und an die Reuss. Nach der Brücke biegen wir links ab auf den Wanderweg nach Hospental.
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Seit seinem Besuch ist Goethe hingerissen von dem grünen Urserntal, das sich ihm unvermutet nach der furchteinflössenden Schöllenenschlucht öffnete. Er hat den Blick von Norden her auf Andermatt auch gezeichnet. «In Dichtung und Wahrheit» schreibt er zu dem Anblick, der sich ihm bot: «Der mässig scheinende Fluss schlängelte sich hier milde durch ein flaches, von Bergen zwar umschlossenes, aber doch genugsam weites, zur Bewohnung einladendes Tal; über dem reinlichen Örtchen Urseren (= Andermatt) und seiner Kirche, die uns auf ebenem Boden entgegen standen, erhob sich ein Fichtenwäldchen, heilig geachtet, weil es die am Fusse Angesiedelten vor höher herabrollenden Schneelawinen schützte.» Inzwischen gibt es im Urserntal wieder mehr Wald. Und auch sonst hat sich in Andermatt seit Goethes Zeiten einiges verändert. Das Transportwesen und die spätere militärische Nutzung sind mittlerweile Vergangenheit. Dafür geht jetzt die touristische Entwicklung mit dem neuen Dorfteil Reussen nördlich vom Bahnhof rasant voran. Neu ist auch der ökologisch angelegte Golfplatz, dem wir nun entlanggehen. Goethe fand hier noch eine Kuhweide vor. Auf dem Weg nach Hospental notierte er 1797 folgende Beobachtungen in sein Tagebuch: «Glimmerschiefer zeigte sich an allen Seiten, Jade in einer Mauer. Schlitten mit Käsen durch den Schmutz fahrend, Bächlein zur Wässerung, übermässige Düngung der Matten. Granit mit viel Feldspat, aber noch immer sich zum blättrigen neigend.» Mit der «Jade», die Goethe hier für seine Mineraliensammlung aus der Mauer klaubte, ist der Serpentin gemeint. Das dunkelgrüne Gestein wird heute noch oberhalb von Hospental abgebaut. Den Gotthard-Serpentin hat man seit Jahrhunderten lokal verwendet, oft auch für Kirchenausstattungen im Wallis und im Kanton Uri. Vor der Brücke folgen wir dem Wanderweg nach rechts, er führt via Hospental zum Gotthardpass.
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Von Andermatt gelangen wir in rund einer Stunde entlang der Reuss und über eine Anhöhe bis zu einer Brücke, die zum Bahnhof Hospental hinüberführt. Die Bahnhofstrasse hinaufgehend erreichen wir nach 100 Metern die Gotthardstrasse, der entlang wir rechts beim historischen Gasthaus «St. Gotthard» zu zwei weiteren Brücken gelangen.
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Im Gasthaus «St. Gotthard», auf dem Bild rechts von der Brücke, übernachtete 1799 General Suworow auf seinem Feldzug gegen die Franzosen. Über die schmale Brücke führte damals der ganze Passverkehr. Im 19. Jahrhundert wurde gleich daneben eine neue Brücke für Fahrzeuge gebaut. Die beiden Brücken überspannen die Gotthardreuss, die sich unterhalb des Dorfes mit der Furkareuss vereinigt. Die besondere Lage des Ortes an der Kreuzung der Nord-Süd- und West-Ost-Routen brachte es mit sich, dass Goethe auf allen drei Wanderungen zum Gotthard in Hospental vorbeikam und 1797 auch im Ort übernachtete. An sein damaliges Gasthaus, den «Goldenen Löwen», erinnert heute nur noch ein modernes Schild an der Dorfstrasse. Hospental hat seine historische Ausstrahlung bis heute behalten. Im Mittelalter gab es hier ein Hospitium, also eine Pilgerherberge – die dem Ort den Namen gab. Auf einem Felsen steht der «Langobardenturm», Rest einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Der Dorfstrasse entlang gelangen wir zur Kapelle St. Karl am oberen Ende des Dorfes.
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Bei der Kapelle St. Karl findet sich eine Infotafel zum Goetheweg. Der Sinnspruch am Portal des barocken Gebäudes weist auf die besondere geografische Lage von Hospental hin. Die Sehnsucht nach dem Süden wird an diesem Ort spürbar: Nur noch ein letztes Hindernis ist zu überwinden, in drei Stunden ist die Passhöhe erreicht! Unterwegs mit Herzog Carl August, hatte Goethe hier im November 1779 mit Schnee und Eis zu kämpfen. Der Weimarer Herzog schreibt: «In Hospental gefrühstückt. Auf den Gotthard, in Gesellschaft etlicher 60 Maultiere, viel Eis, etliche stürzten.» Mit welcher Ausrüstung waren Goethe und seine Reisegefährten hier unterwegs? Ihre Schuhe und Stiefel haben dicke Ledersohlen. Für den Abstieg lassen sie sich Nägel in die Sohlen schlagen, um nicht auszugleiten. Setzen Sie sich vor dem Aufstieg kurz in die Kapelle und lauschen Sie den berühmten Versen der Mignon: «Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?» und Goethes Beschreibung dazu. Sie hören hier Mignons Lied Mignon ist eine Figur aus Goethes Roman «Wilhelm Meisters Lehrjahre». Sie ist ein Mädchen, das am mittleren Lago Maggiore aufwächst und dort seinen Eltern geraubt wird. Mit einer Gauklertruppe kommt sie nach Deutschland. Das berühmte Lied, das Mignons Heimweh nach dem Süden ausdrückt, beschreibt in der dritten Strophe den Weg über den Gotthard. Wir überqueren die Strasse und folgen dem Wanderweg in Richtung Gotthardpass.
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Oberhalb von Hospental ist eine steile Wegstrecke zu überwinden. Hier folgt der Wanderweg der Strasse, die ab 1835 den Passübergang für Postkutschen öffnete. Die Randsteine aus Granit mit den eingravierten Kilometerzahlen erinnern an diese Zeit.
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Der Aufstieg aus dem Urserntal liegt nun hinter uns, wir sind im flacheren Gamsboden angelangt. Goethe erlebte diese Gegend in unterschiedlichen Wetterlagen und Gemütszuständen. Als 25-jähriger Jungautor sieht er hier dramatisierend ein «Drachental» vor sich; bei garstigem Wetter ist ihm die grau-grüne Granitlandschaft als Einöde erschienen, «wie im Tal des Todes». 1779 hingegen erlebt Goethe den regen Passverkehr über den Gotthard bei kaltem, aber schönem Wetter: «Ein grosser Zug von Mauleseln machte mit seinen Glocken die ganze Gegend lebendig. Es ist ein Ton, der alle Berg-Erinnerungen rege macht.» Doch beim Wandern können die Tiere auch stören: «Sie halten einen ungleichen Schritt», klagt er. «Steht man still, um etwas zu betrachten, so kommen sie einem wieder zuvor, und man ist von dem betäubenden Laut ihrer Klingeln und von ihrer breit auf die Seite stehenden Bürde beschwert.» 1797 dann interessiert ihn als versierten Geologen auch der Blick auf die gegenüberliegende Bergkette, die er beim Abstieg beobachtet. Goethe schreibt: «Im Heruntergehen bemerkten wir eigens zackige Gipfel hinter Realp, die daher entstehen, wenn die obersten Ende einiger Granitwände verwittern, die andern aber stehen bleiben.»
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Der teilweise von der Armee restaurierte Saumweg führt vorbei am Belüftungsschacht des 1980 eröffneten Gotthard-Strassentunnels. Etwas oberhalb davon liegt in einer Strassenkurve das Restaurant «Mätteli». Hier befindet sich auch eine Postauto-Haltestelle, die einzige zwischen Hospental und dem Gotthardpass. Hier kann man also die Wanderung bei Bedarf abbrechen oder auch einen Zwischenhalt einschalten.
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Die wilde Szenerie beim letzten Aufstieg zum Pass weckt beim jungen Dichter alte Fantasien von den Drachen, die in den Alpen hausten: «Nackte, wie bemooste Felsen, mit Schnee bedeckt, ruckweiser Sturmwind, Wolken heran- und vorbeiführend, Geräusch der Wasserfälle, das Klingeln der Saumrosse in der höchsten Öde … Hier kostet es der Einbildungskraft nicht viel, sich Drachennester in den Klüften zu denken.» Auch die Wasserfälle am Weg beeindrucken Goethe tief. 1797 kann er die Naturkulisse unter blauem Herbsthimmel geniessen: «Der Weg geht an der über Felsen sich immer hinabstürzenden Reuss hinauf, und die Wasserfälle bilden hier die schönsten Formen.» Ein prächtiges Exemplar sehen wir gerade östlich von unserem Weg, der Guspisbach strömt hier über eine Steilstufe zu Tal. Im Lauterbrunnental hat Goethe 1779 angesichts des Staubbachs ein Gedicht geschrieben, das symbolisch das menschliche Leben mit dem Kreislauf des Wassers verknüpft. Sie hören es an dieser Stelle...
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Der Engpass beim Brüggloch schliesst vor uns das Tal optisch ab. Hier befindet sich auch die Kantonsgrenze, wir betreten nun das Gebiet des italienischsprachigen Kantons Tessin. Zwischen der alten und der neuen Autostrasse nähert sich der Wanderweg allmählich der Passhöhe.
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Mancher Wanderer glaubte sich nach dem Aufstieg durchs Brüggloch schon ganz nah am Ziel. Noch sind aber mehr als drei Kilometer auf dem Hochplateau bis zum Hospiz zurückzulegen. Folgen Sie immer den weiss-rot-weissen Markierungen. Im Frühsommer wird man für seine Ausdauer belohnt durch ein Meer von Alpenblumen, die mit ihrer Farbenpracht das baumlose Tal beleben. Beeindruckend sind auch die mächtigen, während der Eiszeit von Gletschern abgeschliffenen Felsen am Weg. Wussten Sie, dass Goethe im frühen 19. Jahrhundert einer der ersten Naturforscher war, der eine Eiszeit annahm? Diese Theorie entsprach seiner Überzeugung, dass die «grosse, leise sprechende Natur» bei geologischen Erscheinungen ohne gewaltsame Umwälzungen ausgekommen sei. Lehnen Sie sich an einen dieser Felsen und hören Sie zu, wie Mephisto im zweiten Teil von Goethes «Faust» seine von der Hölle geprägten Ansichten zur Gebirgsbildung mit dem skeptischen Faust verhandelt: Sie hören hier Mephisto im zweiten Teil von Faust
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Bald erreichen Sie die Stelle, wo ein Schild die Passhöhe des Gotthards auf 2106 Metern über Meer anzeigt. Links davon führt unsere Route noch einige Minuten weiter, bis zwischen zwei kleinen Seen links der Eingang zum «Sasso San Gottardo» in Sicht kommt.
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Sie haben es geschafft und die 2106 Meter hohe Passhöhe erklommen, herzlichen Glückwunsch! Der Gotthard wird für Goethe auf allen drei Reisen zum Höhe- und Wendepunkt seiner Wanderungen durch die Schweiz. Die grosse Bedeutung dieses Orts für ihn hat er in den Notizen zu «Dichtung und Wahrheit» bezeugt: «Der Gotthard selbst: Wundersamer Eindruck dieses Gebirgs, der sich in eine fixe Idee verwandelt, die ich nie losgeworden.» Aufgrund von fehlerhaften Messungen hält man im 18. Jahrhundert das Gotthardmassiv noch für die höchste Erhebung der Alpen. Goethe glaubt gerne daran, denn von hier laufen auch die Flüsse Rhein, Rhone, Reuss und Ticino in vier Himmelsrichtungen. Später korrigiert er diese Annahme und schreibt: «Der Gotthard ist zwar nicht das höchste Gebirg der Schweiz … doch behauptet er den Rang eines königlichen Gebirges über alle andere, weil die grössten Gebirgsketten bei ihm zusammen laufen und sich an ihn lehnen.» Goethe, «Briefe aus der Schweiz», 2. Abt., 1808 Das Gotthardmassiv ist tatsächlich ein zentrales Gebirge der Schweiz, ja der Alpen. Es trennt den Norden und den Süden Europas. Hier verläuft die europäische Hauptwasserscheide. Mit dem Gotthardpass auf 2106 m ü.M. bietet sich zugleich eine kurze Verbindung zwischen Norden und Süden – die Goethe aber nie überschreitet. Bevor Sie den Themenweg mit einem Spaziergang zu Original-Schauplätzen auf dem Gotthardpass ausklingen lassen, empfehlen wir Ihnen nun den Besuch des Museums Sasso San Gottardo. Tief im Innern des Berges, umgeben von Goethes «Urgestein» Granit, befindet sich hier die erste Dauerausstellung über Goethe in der Schweiz und die weltweit einzige unter Tage. Sie finden im Stollen auch eine kleine Cafeteria. Die Dauerausstellung zu Goethes Schweizer Reisen tief im Berg ist von Juni bis Mitte Oktober täglich geöffnet. Hier stehen auch zwei Bücher zum Verkauf, die Goethes Schweizer Reisen gewidmet sind: 1. Goethe am Gotthard, 2022. Erhältlich im Museumsshop Sasso San Gotthards 2. Goethes Schweizer Reisen, 2023. Bei uns erhältlich mit farbigem Schuber Ein Rundgang auf dem Pass führt Sie nun noch an die zwei Schauplätze, wo Goethe sich 1775 zum Zeichnen inspirieren liess.
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Wenig südlich vom Sasso San Gottardo liegt das Hospiz, wo in der Reisesaison meist viel Betrieb herrscht. In der Alten Sust neben dem Hospiz, einem Gebäude von 1834, zeigt das «Museo Nazionale del San Gottardo» Zeugnisse aus der langen Geschichte des Transitverkehrs über den Pass. Hier befindet sich die Haltestelle «Gotthard Passhöhe» für die Postautolinie Andermatt – Airolo. Von Airolo aus gelangt man mit der Bahn auch schnell wieder nach Göschenen im Norden.
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1775 hat Goethe das Alte Hospiz gezeichnet. Nur vier Jahre später kommt er mit Herzog Carl August wieder an diesen Ort, nachdem sie den tief verschneiten Furkapass überquert haben. Oben angelangt, jubelt Goethe am 13. November 1779: «Endlich sind wir auf dem Gipfel unserer Reise glücklich angelangt! Hier, ist’s beschlossen, wollen wir stille stehen und uns wieder nach dem Vaterlande zuwenden.» Der Pass ist damals noch den ganzen Winter über geöffnet. Keine einfache Sache für die gastfreundlichen Kapuziner im Hospiz, wie Goethe erfährt. Einer von ihnen ist gerade «von Airolo herauf den sehr glatten Weg gegen den Wind gestiegen; der Bart war ihm eingefroren, und es währte eine ganze Weile, bis er sich besinnen konnte.» Beim dritten Aufenthalt im Hospiz, im Jahr 1797, bleibt Goethe nur zum Essen oben und kehrt am gleichen Tag nach Hospental zurück. Die Verpflegung für die Wanderer ist reichlich. Goethes Sekretär Ludwig Geist hat aufgeschrieben, was ihnen der Pater nach der Ankunft auftischt: Zuerst «einige Bouteillen roten italienischen Wein nächst einem guten Stück Schweizer Käse». Nach diesem «Frühstück» wird sogleich das Mittagessen aufgetragen, das die folgenden Gerichte umfasste: 1. Eine gute Reissuppe, in welcher eine Knackwurst sich befand. 2. Folgte Pökelfleisch mit einer guten Sauce nebst Senf. 3. Fisch, sowohl in Semmel geröstet als mit Essig und Zitronen. 4. Gämsbraten. 5. Nachtisch, der in gutem Schweizerkäs und Most bestand. Mit der erfahrenen Köchin vom Hospiz spricht Goethe auch über die Mineralien, mit denen sie handelt. Sekretär Geist ergänzt: «Diese Köchin benutzte die Stunden, die sie ausser ihrer Küche zubringen konnte, indem sie auf dem Gotthardberge herumstieg und sich Steine sammelte, sodass sie uns wirklich eine artige Sammlung von Steinen vorzeigen konnte. Kommen nun fremde Reisende auf diesen Berg (welches sehr oft geschieht), versucht sie sich mit ihnen in einen Handel einzulassen, und so verdient sie, neben ihrer Küchenarbeit, immer noch viel Geld damit.»
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Wo entstand Goethes Zeichnung «Scheideblick nach Italien»? Man findet die genaue Stelle, wenn man von der Passhöhe etwas nach Süden absteigt bis zur Totenkapelle. Der Wanderweg führt beim Hospiz und dem historischen achteckigen Pferdestall vorbei. In der «Capella dei Morti», der Totenkappelle, wurden früher die Leichen von unbekannten Reisenden aufbewahrt, die auf dem Passweg ums Leben gekommen waren. Folgen Sie nun dem schmalen Pfad, der oberhalb der Kapelle nach rechts auf den Hügelkamm führt. Nach etwa 150 Metern, bei einem flachen Weiher, entdecken Sie eine kleine Erinnerungstafel. Der Verein Schweizerischer Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer hat sie an dem Ort, wo Goethe damals sass, um das Jahr 2000 anbringen lassen. Bei seinem ersten Aufenthalt auf dem Gotthard entscheidet sich Goethe am 22. Juni 1775 zur Umkehr. Die Zeichnung, die hier entsteht, bezeichnet er selbst als «Scheideblick nach Italien». Zu dem unvollendeten Blatt schreibt er später in «Dichtung und Wahrheit»: «Ich hatte mich an den Fusspfad, der nach Italien hinunterging, niedergelassen und zeichnete, nach Art der Dilettanten, was nicht zu zeichnen war und was noch weniger ein Bild geben konnte: die nächsten Gebirgskuppen, deren Seiten der herabschmelzende Schnee mit weissen Furchen und schwarzen Rücken sehen liess; indessen ist mir durch diese fruchtlose Bemühung jenes Bild im Gedächtnis unauslöschlich geblieben.» An dieser Stelle kann man rasten und die Frage erörtern, warum Goethe 1775 den Gotthard nicht überquert hat. Es gab damals wohl zwei Gründe: Einerseits fühlte er sich innerlich noch nicht bereit für eine Italienreise; und andererseits zog ihn die Liebe zu seiner Verlobten, der 17-jährigen Bankierstochter Lili Schönemann, nach Frankfurt zurück. Doch die Familien der beiden jungen Leute sind gegen eine Verbindung. Nach der Rückkehr aus der Schweiz lösen sie die Verlobung, und Goethe zieht im November 1775 nach Weimar, das zu seinem Lebensmittelpunkt wird. Nach Italien gelangt er erst 1786. Dann reist er aber über den Brennerpass nach Süden und kehrt zwei Jahre später über den Splügenpass zurück.
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Sie haben nun Goethe bis auf den Gotthardpass begleitet. Und wohin führt Ihr Weg jetzt ? Halten Sie es mit Goethe? Er sagte: «Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen». Bald soll es weitere Goethewege durch Europa geben. Sie haben hier einen der ersten seiner Art erwandert. Mehr Informationen dazu und zu Goethes Präsenz in der Schweiz finden Sie unter: Alles Gute - und vielleicht auf Wiedersehen!
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